Warum der bauliche Zustand in der Immobilienbewertung oft unterschätzt wird
- kkroemler
- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

In der täglichen Praxis der Immobilienbewertung zeigt sich immer wieder ein ähnliches Muster:
Der bauliche Zustand einer Liegenschaft wird zwar beschrieben, jedoch nicht immer konsequent, systematisch und mit Blick auf die langfristige Wertentwicklung beurteilt. Gerade dabei sind es häufig verdeckte oder unterschätzte Bauschäden, die den Marktwert einer Immobilie erheblich beeinflussen können – oftmals nicht sofort, sondern erst Jahre später, wenn Sanierungen unumgänglich werden und die Kosten plötzlich konkret spürbar sind.
Typische Bauschäden mit grosser Wirkung auf den Immobilienwert
Nicht jeder Bauschaden ist auf den ersten Blick erkennbar. In der Bewertungspraxis begegnen uns jedoch immer wieder Schadensbilder, die sich deutlich auf den Immobilienwert auswirken können. Dazu zählen insbesondere:
Feuchte- und Wasserschäden
etwa infolge unzureichender Abdichtungen oder veralteter Drainagen, die langfristig die Bausubstanz angreifen
Risse in Trag- oder Fassadenbauteilen
deren Ursachen sowohl statischer als auch bauphysikalischer Natur sein können
Wärmebrücken
die sich negativ auf Energieeffizienz, Wohnkomfort und Dauerhaftigkeit der Bauteile auswirken
Veraltete Haustechnik
die zwar funktionstüchtig ist, jedoch nicht mehr dem heutigen Marktstandard entspricht
Bewertungsrelevant wird ein Schaden dabei nicht erst im Moment der Sanierung. Bereits dann, wenn ein Schaden den zukünftigen Investitionsbedarf erhöht oder das Marktrisiko einer Liegenschaft steigert, muss er in der Wertermittlung berücksichtigt werden.
Der Unterschied zwischen Mangel, Schaden und Wertrelevanz
Ein häufiger Irrtum in der Praxis besteht darin, jeden baulichen Mangel automatisch mit einer Wertkorrektur gleichzusetzen. Tatsächlich gilt jedoch:
Nicht jeder Mangel ist wertrelevant – aber jeder wertrelevante Schaden muss korrekt abgebildet werden.
Entscheidend sind dabei unter anderem folgende Fragestellungen:
Ist der festgestellte Schaden kurz- oder mittelfristig sanierungsbedürftig?
Beeinflusst er die Nutzbarkeit, die Lebensdauer oder die Vermietbarkeit der Immobilie?
Wie reagiert der Markt auf vergleichbare Objekte mit einem ähnlichen baulichen Zustand?
Genau an dieser Stelle zeigt sich die zentrale Schnittstelle zwischen bautechnischem Fachwissen und marktbezogenem Bewertungsverständnis.
Was dies für die Immobilienbewertung bedeutet
Der bauliche Zustand ist kein optionaler Kommentar, sondern ein integraler Bestandteil der Wertermittlung. Für eine fachgerechte Bewertung bedeutet dies insbesondere:
bekannte Mängel und Schäden müssen transparent und nachvollziehbar offengelegt werden
zukünftige Investitionen und Instandsetzungen sind wertwirksam zu berücksichtigen
Annahmen zum Zustand einer Liegenschaft müssen plausibel, begründet und nachvollziehbar sein
Eine saubere Immobilienbewertung lebt nicht von pauschalen Annahmen, sondern von klaren Abgrenzungen, realistischen Kostenfolgen und einer konsistenten Methodik.
Warum eine frühe Bewertung Bauschäden entschärfen kann
Eine fundierte Immobilienbewertung liefert weit mehr als nur einen Marktwert zum Stichtag. Sie schafft eine solide Entscheidungsgrundlage und kann helfen, spätere Überraschungen zu vermeiden. Konkret bedeutet dies:
Klarheit für Käufer und Eigentümer vor Kauf- oder Finanzierungsentscheiden
Unterstützung von Banken bei der realistischen Einschätzung von Risiken
eine strategische Planung von Sanierungen für Eigentümer
die Vermeidung späterer Wertkorrekturen, Diskussionen oder Finanzierungskonflikte
Gerade bei Bestandsliegenschaften zeigt sich dabei immer wieder:
Was heute erkannt wird, spart morgen Zeit, Geld und Konflikte.
Fazit: Baulicher Zustand ist Bewertungsrealität – nicht Nebensache
Bauschäden lassen sich nicht in jedem Fall vermeiden. Ihre finanziellen Auswirkungen lassen sich jedoch steuern – vorausgesetzt, sie werden frühzeitig erkannt und korrekt in die Immobilienbewertung integriert.
Eine professionelle Bewertung erfordert deshalb:
technisches Verständnis
fundierte Marktkenntnis
eine normkonforme Methodik
sowie eine klare und nachvollziehbare Kommunikation

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