Bauabnahme als Schlüsselphase im Bauprozess
- kkroemler
- 6. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Warum systematische Kontrollen über Qualität, Haftung und Projekterfolg entscheiden?
1. Bauabnahme: Mehr als ein formeller Akt
Die Bauabnahme markiert keinen blossen Schlusspunkt der Bauausführung, sondern stellt einen juristisch und technisch hochsensiblen Wendepunkt im Bauprozess dar. Mit ihr gehen zentrale Rechtsfolgen einher: der Übergang der Gefahr, der Beginn der Garantiefristen sowie die Umkehr der Beweislast bei Mängeln. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Bauleitung und Fachplaner.
Das im Handbuch von Marco Fehr dargestellte Vorgehen zeigt eindrücklich, dass eine erfolgreiche Abnahme nicht punktuell, sondern nur als kontinuierlich vorbereiteter Prozess verstanden werden kann – beginnend lange vor der eigentlichen Schlussabnahme
2. Die Rolle der Bauleitung: Koordination, Kontrolle, Verantwortung
Zentraler Akteur der Bauabnahme ist die Bauleitung. Ihr Aufgabenprofil reicht weit über die terminliche Organisation hinaus und umfasst insbesondere:
die Überwachung der Ausführung auf Übereinstimmung mit
– Bauvertrag
– behördlichen Auflagen
– anerkannten Regeln der Technik
die Koordination der beteiligten Unternehmer und Fachplaner,
die Vorbereitung und Durchführung von Teil- und Schlussabnahmen,
die strukturierte Erfassung und Nachverfolgung von Mängeln.
Das Baujournal nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Es dient nicht nur der Dokumentation des Bauablaufs, sondern erlangt – bei Übergabe an den Bauherrn – rechtliche Beweiskraft und wird im Streitfall regelmässig von Gerichten beigezogen
3. Abnahme als Prozess: Von der Vorleistung bis zur Schlussdokumentation
Das Handbuch strukturiert die Abnahme konsequent entlang der BKP-Positionen und zeigt damit einen praxisnahen Weg, wie komplexe Bauvorhaben beherrschbar bleiben. Charakteristisch ist der vierstufige Aufbau jeder Arbeitsgattung:
Vorgehen
Tipps und Tricks aus der Praxis
Abnahmekriterien inkl. SIA-Normen und Toleranzen
Standardisierte Abnahmeprotokolle
Diese Systematik stellt sicher, dass keine Gewerke isoliert betrachtet werden, sondern stets im Zusammenspiel mit angrenzenden Leistungen – etwa bei Abdichtungen, Durchdringungen oder Schnittstellen zwischen Baumeister-, HLKS- und Ausbauarbeiten
4. Normen, Toleranzen und Realität auf der Baustelle
Ein zentrales Spannungsfeld der Bauabnahme liegt zwischen normativer Theorie und baulicher Realität. Das Handbuch legt deshalb grossen Wert auf die konkrete Anwendung der SIA-Normen, insbesondere der SIA 118 und der zugehörigen Toleranzregelungen.
Beispiele hierfür sind:
Mass- und Ebenheitstoleranzen bei Baumeisterarbeiten,
Dichtigkeitsanforderungen bei Flachdächern,
Sichtanforderungen bei Fassaden und Fenstern,
funktionale Prüfungen technischer Anlagen.
Besonders praxisrelevant ist der Hinweis, dass viele Abnahmen zeitlich kritisch sind – etwa vor dem Betonieren von Decken oder dem Verdecken von Leitungen. Versäumte Zwischenabnahmen führen häufig zu kostenintensiven Streitigkeiten über Verantwortlichkeiten
5. Mängelmanagement: Früh erkennen statt teuer sanieren
Ein wiederkehrendes Leitmotiv des Handbuchs ist die präventive Mängelvermeidung. Durch regelmässige Kontrollen, klare Zuständigkeiten und frühzeitige Protokollierung lassen sich viele spätere Konflikte vermeiden.
Dabei gilt:
Unwesentliche Mängel hindern die Abnahme nicht, müssen aber protokolliert werden.
Wesentliche Mängel berechtigen zur Zurückstellung der Abnahme.
Rückbehalte dienen als wirksames Druckmittel zur Mängelbehebung.
Die standardisierten Abnahmeprotokolle stellen sicher, dass Mängel nicht nur festgestellt, sondern auch terminlich und vertraglich sauber eingefordert werden können
6. Fazit: Bauabnahme als Qualitätsinstrument
Die Bauabnahme ist kein lästiger Schlusspunkt, sondern ein entscheidendes Instrument der Qualitätssicherung und Risikosteuerung. Das im PDF dargestellte Handbuch zeigt, dass eine strukturierte, normengestützte und vorausschauende Abnahmepraxis nicht nur Mängel reduziert, sondern auch:
Haftungsrisiken minimiert,
Kostenkontrolle verbessert,
und die Zufriedenheit von Bauherrschaft und Nutzern nachhaltig steigert.
Gerade in Zeiten zunehmender technischer Komplexität und verdichteter Bauweisen gewinnt die professionelle Bauabnahme damit weiter an Bedeutung – als Schnittstelle zwischen Planung, Ausführung und Nutzung.


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